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Saskia Andersen arbeitet im Hamburger Ingenieurbüro E-MS erfolgreich als Projektmanagerin in Teilzeit

Dass die Frauen das Geschlechterverhältnis auf einer maritimen Fachveranstaltung für sich entscheiden, hat immer noch Seltenheitswert. Nicht jedoch auf der jüngsten Veranstaltung des Maritimen Clusters Norddeutschland (MCN) im Hamburger Business Club (thb.info vom 6.2.2019).

Das Motto „Fachkräftemangel in der maritimen Wirtschaft – Teilzeit als Chance“ lockte am vergangenen Dienstag mehr als 50 überwiegend weibliche Teilnehmer an die Elbchaussee. „Damit waren wir so gut wie ausgebucht“, freute sich Lina Harms, Hamburger Geschäftsstellenleiterin im MCN. Nachdem sich Cindy Paarmann, Personalentwicklerin bei Carnival Maritime und Vorstandsmitglied des Frauennetzwerks in der Schifffahrt, WISTA Germany, mit Nachdruck für die Arbeit in Teilzeit auch auf Führungsebene aussprach, berichtete Saskia Andersen von ihren ganz persönlichen Erfahrungen. Die 26-jährige ist Ingenieurin für Chemie und Umwelttechnik und jetzt als Projektleiterin im Hamburger Ingenieurbüro E-MS e-powered marine solutions aktiv. „Mein Mann und ich haben uns schon während des Studiums ganz bewusst für Nachwuchs entschieden“, erklärte sie. Auf die Geburt des Sohnes im Juni 2017 folgte nur einen Monat später der Hochschulabschluss, im Dezember 2017 startete sie schließlich mit der Jobsuche, die sich allerdings deutlich schwieriger als gedacht gestaltete: „Ich hatte ganz offen in meinen Bewerbungsschreiben erwähnt, dass ich ein Kind habe und daher eine Teilzeitstelle suche. Ich erhielt nur Absagen.“ Erst als Andersen ihre Strategie änderte und weder von Sohn noch vom Teilzeitwunsch schrieb, bekam sie ihre ersten Vorstellungsgespräche. „Doch hier war dann ebenfalls schnell Schluss, wenn es um das Thema Teilzeit ging“, bedauerte sie. Bis sie bei E-MS vorstellig wurde und sofort genommen wurde. „Wir hatten erkannt, dass es ein Geben und Nehmen mit vielen Vorteilen für beide Seiten ist.“ Schon nach kurzer Zeit übernahm Saskia Andersen Verantwortung als Projektleiterin. Dabei half ihr neben ihrem Know-how auch ein neuer großer Auftrag: „Wir haben bei E-MS relativ kurzfristig das Elektro-Engineering für ein Scrubber-Projekt übernommen, da hatten wir einfach keine andere Wahl“, lachte sie. „Anspruchsvolle Projektleitung ist möglich, auch mit nur einem festen Bürotag“, so Andersens Fazit. Voraussetzung: Der Arbeitgeber müsse die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Teilzeit erkennen und auch die technischen Voraussetzungen dafür schaffen. So könnten Unternehmen hochmotivierte und qualifizierte Kräfte gewinnen und an sich binden – auch für die Zeit nach dem zweiten Kind, das bei Familie Andersen demnächst auf die Welt kommen wird.

© THB Täglicher Hafenbericht No. 028