Hamburg, Augsburg, 15. November 2021 – Drei Fragen an Christoph Fenske: Im Interview mit dem Schifffahrtsjournalisten Behrend Oldenburg berichtet der neue E-MS-Geschäftsführer, was das Hamburger Ingenieurbüro bereits mit dem neuen Eigentümer, der RENK Group, verbindet, wie der neue Kurs aussieht – und was die Kunden davon haben.

Die weltweit tätige RENK Group mit Hauptsitz in Augsburg hat im vergangenen Jahr das Hamburger Ingenieurbüro E-MS erworben. Damit verbunden ist ein enormer Know-how-Zuwachs in der Gruppe, was das Thema „Elektrizität an Bord von Schiffen“ angeht – vor allem bei maßgeschneiderten, kundenindividuellen Konzepten für die wirtschaftlichste und umweltfreundlichste Stromversorgung. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Elektrizität in der Schifffahrt, und zwar mittel- und langfristig?

Christoph Fenske: Die Elektrifizierung von Antrieben ist bereits bei Kreuzfahrtschiffen und Megayachten weit vorangeschritten. Hier machen Dieselaggregate nur noch Strom. Der nächste Schritt wird die Integration vor allem von Gleichstrom-Quellen und -Speichern sein. Bei Frachtschiffen sind wir dagegen noch nicht ganz so weit. Da hier die Antriebsleistungen hoch, der Leistungsbedarf für die Creweinrichtungen dagegen vergleichsweise klein sind, lohnen sich dieselelektrische Antriebe auf Handelsschiffen noch nicht. Das Ziel zur CO2-Reduktion könnte aber zum Wegbereiter für Gleichspannungsnetze an Bord werden. Wenn die Aggregate mit variablen Drehzahlen laufen müssen, können sie nämlich deutliche CO2-Einsparungen bringen.

Die RENK Group und E-MS kennen sich ja nicht erst seit dem vergangenen Jahr. Was verbindet beide Unternehmen, wie sieht der künftige gemeinsame Weg aus?

Christoph Fenske: Richtig gut kennen und schätzen gelernt haben wir uns beim Bau der weltweit größten Segelyacht „A“, die 2017 in Betrieb genommen wurde. E-MS hat die Steuerung der elektrischen Anlage übernommen, von RENK stammen die Getriebe. Das war ein sehr anspruchsvolles Projekt für alle Beteiligten aufgrund der hohen Komplexität und des Grads der Neuerungen im System, welches wir gemeinsam erfolgreich zum Abschluss gebracht haben. Alle Diesel- und Elektrosysteme laufen seitdem sehr zuverlässig. Die Brennstoffeinsparung – und damit auch die Reduktion des CO2-Ausstoßes – liegt übrigens bei rund 15 Prozent gegenüber einer konventionellen Anlage. Und wenn die „A“ segelt, dann natürlich noch weit darunter, bei gleichem Komfort an Bord wie unter Maschine.

Und was E-MS angeht: Den Standort hier im Harburger Binnenhafen führen wir unverändert weiter. Hamburg ist ein wichtiger Schiffbau- und Reeder-Standort. Kurze Wege und Vor-Ort-Präsenz sind immer noch wichtig, auch in Zeiten von Videokonferenzen. Zudem haben wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen. Für uns gilt: Expertise und Erfahrungen hängen an den Menschen, nicht alleine an Patenten und CAD-Zeichnungen!

Und was bedeutet der gemeinsame Weg für die Kunden von RENK und E-MS?

Christoph Fenske: Um es auf einen kurzen, knackigen Nenner zu bringen: RENK hat die Antriebstechnik, E-MS die Schaltanlage – das ist die perfekte Kombi! Die RENK Group bietet zudem eine große finanzielle Sicherheit, die gerade bei langfristigen, komplexen Projekten ein wichtiger Wettbewerbsfaktor ist. Und zwar nicht nur für E-MS, sondern insbesondere für unsere Kunden. Da über den Antrieb oft sehr früh in einem Projekt gesprochen wird, ergeben sich darüber hinaus für E-MS Chancen, sehr früh in Schiffsbau-Projekte involviert zu sein. Durch das weltweite Vertriebsnetz von RENK eröffnet sich auch E-MS der Zugang zu internationalen Kunden. Derzeit verfolgen wir übrigens gleich mehrere gemeinsame Projekte in den Bereichen Megayacht, Forschungsschifffahrt und Marine. Außerdem unterstützen wir unsere chinesischen Partner beim Engineering für kommerzielle Schiffe.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über E-MS: Das Ingenieurbüro hat sich auf das Thema Elektrizität an Bord von Schiffen spezialisiert. Maßgeschneiderte, kundenindividuelle Konzepte für die wirtschaftlichste und umweltfreundlichste Stromversorgung elektrischer Antriebsanlagen und Bordnetze stehen dabei im Mittelpunkt. Ausgehend von der ersten Idee, über die Definition aller Systeme und Komponenten sowie deren Entwicklung, reicht das Tätigkeitsfeld bis zur Inbetriebnahme der kompletten Anlage. Rund 15 Mitarbeiter sind am Stammsitz in Hamburg aktiv.

Über RENK Group: Die RENK Group mit Hauptsitz in Augsburg ist ein weltweit führender Hersteller von hochwertigen Getrieben, Motoren, Hybridantriebssystemen, Federungssystemen, Gleitlagern, Kupplungen und Prüfsystemen. Das Unternehmen bedient eine Vielzahl von Endmärkten mit besonderem Fokus auf gepanzerte Fahrzeuge, Verteidigung und Zivile Schifffahrt, Energieerzeugung, Kunststoffe, Öl & Gas und andere. Mit über 3.000 Mitarbeitern erwirtschaftet die RENK Group einen Jahresumsatz von über 800 Mio. EUR.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte: www.renk-group.com

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